Hannakolumna's Blog











Mein zweiter Tag als Freiwillige im Territory Wildlife Park beginnt in aller Fruehe. Es ist noch dunkel, als mich mein Handywecker um halb fuenf weckt, noch dunkel, als ich mich aus dem Zelt quaele und, die Taschenlampe fest in der Hand (es wurden viele Schlangen gesichtet in letzter Zeit) zu den Waschraeumen stapfe.

Auch, als ich um zehn vor sechs beim Vet Centre einbiege (diesmal gluecklicherweise auf Anhieb), ist es noch stockfinster. Eine Rangerin radelt zur selben Zeit in die Einfahrt und begruesst mich freundlich. Es ist Nat, die ich letztes Jahr bei der Flugshow am Bird Deck gesehen habe und die mittlerweile zum Monsoon Forest-Team gewechselt hat. Sie nimmt mich im Jeep zur Monsoon Forest-Station mit und meint gaehnend, sie sei ja eigentlich keine Fruehaufsteherin, aber man gewoehne sich dran. Im Gegensatz zu den anderen Teams beginnt der Tag im Monsoon Forest so frueh, da mehrere grosse Volieren zu betreuen sind, und die Voegel speisen gerne frueh. Der Rest des Teams, Greg und Kate, sind auch schon da, und es geht gleich los. In der „Vogelkueche“ sind schon mehrere Tablette und Naepfe aufgebaut, und eine grosse Tafel an der Wand gibt Aufschluss, welche Speisen in welche Naepfe fuer welche Volieren bestimmt sind. Koerner-/Salatmischung, Fruchtsalat, Hackfleischmischung und Meeresfruechte/Fisch stehen auf dem Speiseplan, ausserdem zuckende Mehlwuermer. Kate beginnt gleich, die Naepfe in Windeseile zu fuellen, den Ruecken zur Tafel. Sie ist schon fuenf Jahre hier und kennt die Verteilung auswendig. Nat und Greg stapeln die Naepfe flugs auf den Tabletts, die in besonderer Reihenfolge in das Waegelchen gestapelt werden, und im Handumdrehen ist das Fruehstueck fertig. Nat und ich schnappen uns den Servierwagen und ziehen zur grossen Fruehstuecksfuetterrunde los.

Nat ist eine grosse, blonde Frau, die mir bei der Vogelschau mit ihrer ruhigen Art und ihrem offensichtlichen Haendchen fuer die grossen Raubvoegel beeindruckt hat. Sie plaudert aber gleich drauflos und verraet, dass sie die Arbeit mit den Raubvoegeln vermisst, aber angefangen hat, auch im Monsoon Forest mit ein paar Voegeln zu arbeiten und kleinere Programmpunkte auszuarbeiten. Sie hat lange Jahre in der Gastronomie gearbeitet, bis sie ueber Umwege und dank ihres breit gefaecherten Studiums (Applied Sciences) einen Job im Verkaufsbereich eines Reservats bekam und sich dort nach und nach um verletzte Koalas kuemmerte.

Wir schieben das Waegelchen vor die erste Voliere und nehmen die Futternaepfe vom obersten Tablett. Wir stapfen durch das grosse Gelaende und tauschen die alten Naepfe mit dem Fruehstueck aus. Mehrere Enten umringen uns neugierig, und eine weisse Taube mit ulkigem Federschmuck beaeugt uns von oben, waehrend ich die Tabletts und alten Naepfe kurz abspuele und Wasser in die Tabletts fuelle, auf denen sich Hackfleischmix befindet. Das soll die Ameisten abhalten, sich auf das begehrte Fleisch zu stuerzen. Das nicht verzehrte Futter kippen wir hinter die Volieren in die Vegetation, wo sich schon ein paar Wallabies und einige der schwarzweissen Ibisse, die man in ganz Australien zahlreich antrifft, erwartungsvoll versammelt haben.

Nat zeigt mir eine neue Beobachtungsplattform und frisch gepflanztes Gruen um den Teich. Darin schwimmen ca. 20 Schildkroeten, die in der Morgendaemmerung aber noch nicht auszumachen sind; das Wasser ist still und dunkel.

In der naechsten Voliere sitzt ein Tawny Frogmouth (Eulenschwalm) auf einem Ast und reckt den Schnabel hoch; imitiert, seinem Ruf gerecht, einen Aststumpf. Mit seinem braungestreiften Gefieder ist er tatsaechlich kaum auszumachen, auch auf kuerzeste Entfernung. „Das ist Mumbles“, stellt ihn mir Nat vor und krault seinen Hals. Ich tue es ihr gleich, und er reckt seinen kurzen breiten Schnabel voller Behagen hoch und blinzelt schlaefrig mit den Augen. Wir gehen durch eine Gittertuer in den Nebenraum der Voliere, wo ein Schwarm quietschbunter Lorikeets unter lautem Gekreische sein Unwesen treibt. „Zaehl sie mal, wenn du kannst“, bittet mich Nat, „es sollten 17 sein.“ Das ist garnicht so einfach, weil die kleinen Papageien sich offensichtlich sehr auf Koerner, Fruechte und Nektar freuen und aufgeregt von Baum zu Baum flattern. „Das ist Scarface“, meint Nat, als sich einer der leuchtendgruenen Lorikeets auf meiner Schulter niederlaesst. „Er liebte neue Leute. Aber Vorsicht, er hackt ganz gerne.“ Der Vogel mit dem Mafia-Namen hat tatsaechlich eine Narbe unter einem Auge und versucht auch gleich, mir unter forschem Hacken in Hals und Wange den gleichen Spitznamen zu verpassen. Als ich 17 Lorikeets gezaehlt habe und Scarface immer zudringlicher wird, schuettele ich ihn ab und wir machen uns auf den Weg zur naechsten Voliere.

Dort tauschen wir wieder Futternaepfe und Wasser aus, und Nat zeigt mir die einzelnen Vogelarten und erklaert Interessantes zu Verhalten, Habitat etc. Ein Paar Curlews (eine Art Weidevogel) nistet in der Naehe der Futternaepfe und droht mir mit geoffneten Fluegeln und kurzen Sprints. Es sind auch ein paar Drachenechsen in der Voliere, aber da es noch so frueh und relativ kuehl ist, sind sie noch nicht herausgekrochen. Wir versuchen, so viele Voegel wie moeglich auszumachen, aber dank der Groesse des Geheges und der vielen Pflanzen ist das nicht ganz einfach. Nat erklaert, dass sie sich die Voegel merkt, die matt und kraenklich erscheinen, und bei der naechsten Fuetterung nach ihnen Ausschau haelt.

Nachdem wir alle Volieren abgeklappert haben, ist es Zeit fuer den ersten Ranger Talk bei den Pelikanen am Billabong. Wir lassen den Servierwagen stehen und schnappen uns einen grossen Eimer voller Fische.  Am Eingangshaeuschen des Monsoon Forests ist eine Tropengewittersimulation installiert, und Nat macht einen grossen Schritt ueber den Bewegungsmelder. Ich schalte zu spaet und trete genau in den Strahl, und lauter Donner ertoent, begleitet von Regenprasseln und lautem Froschgequake. Die ersten Besucher, die um die Ecke biegen, schauen interessiert rueber.

Der Eimer voller Fische ist schwer, und wir wechseln uns beim Tragen ab. Am Billabong warten bereits eine grosse Zahl Besucher, und auch die Pelikane schwimmen erwartungsvoll um den Bootssteg. Nat und ich kaempfen uns durch die Menge. Sie begruesst die Zuschauer freundlich, stellt mich vor, und fragt, ob es noch weitere Besucher von weit her gibt. Dann erklaert sie Flora und Fauna der tropischen Feuchtgebiete, erzaehlt von den Nisterfolgen der hier lebenden Pelikane (letztes Jahr wurden zum ersten Mal zwei Junge grossgezogen), und was in den dunklen Gewaessern noch so lauern kann. Das hier lebende Suesswasserkrokodil steckt in diesem Moment publikumswirksam seine lange, duenne Schnauze aus dem Wasser, und die Meute juchzt begeistert.

Dann ist es Zeit fuer die Fuetterung; die Pelikane glucksen schon eine Weile auffordernd und treten auf ihren grossen Fuessen umher, oeffnen die Schnaebel und blaehen die Kehlsaecke. Nat und ich greifen uns Fische und werfen sie den Voegeln zu; die klappen ihre Maeuler weit auf und fangen die Beute im Schnabel. Haeufig wird dann eine Weile hin- und hermanoevriert, bevor sie den Kopf zuruecklegen und den Fisch schlucken. Nat erklaert, dass der Fisch Kopf voraus geschluckt werden muss, und demonstriert anhand eines schluepfrigen Fisches, warum: die Flossen weisen Stacheln auf, die sich beim Rueckwaertsschlucken aufrichten.

Nach der Fuetterung schnappen wir uns den leeren Eimer und stapfen zurueck zum Hauptquartier. Dabei stellen wir fest, dass Pelikane unsere Lieblingsvoegel sind, und Nat empfiehlt mir, „Storm Boy“ anzuschauen. „Du wirst Rotz und Wasser heulen“, verspricht sie, und erzaehlt, dass sie Jahre, nachdem der Film gedreht wurde, mit den Filmpelikanen arbeiten durfte und ganz „starstruck“ war.

In der Fruehstueckspause trinken wir Tee und Kaffee und Milo, ein beliebtes Schokomalzgetraenk. Nat, Greg und Kate tauschen sich ueber Besonderheiten beim Fuettern und Morgencheck aus, dann geht es weiter. Ich soll mit Kate zum Vet Centre fahren und das Futter fuer den naechsten Tag vorbereiten. „Der spannendste Teil des Tages“, meint Kate, und zwinkert mir ironisch zu. Wir springen in den Jeep und rattern ueber die steinigen Hinterstrassen des Parks zu den Aussengebaeuden, wo sich Vorratsraeume und Krankenstation befinden. Im Kuehlraum waehlen wir Salat, Melonen, Suesskartoffeln und Aepfel und Birnen aus und machen uns im Vorraum, der an eine Grossraumkueche erinnert, ans Schnippeln und Raspeln. Ich schneide den Salat ganz fein, waehrend Kate bedauert, dass es heute keinen Pok Choi gibt. Der asiatische Kohl ist zarter als der Salat, und sie macht sich Sorgen, dass die waehlerischen Voegel das grobere Gruen vielleicht verschmaehen. Dem kleingeschredderten Salat fuege ich Suesskartoffel zu, die auf einer Reibe zerkleinert wird, und damit ist der erste Menuepunkt abgehakt. Ich darf mit dem Fleischmix beginnen, waehrend Kate mit geuebter Hand Fruchtsalat aus Melonen, Birnen und Aepfeln zubereitet. In meinen Topf kommen neben Getreide und ein paar Vitaminzusaetzen kleingeraspelte harte Eier und ein paar Brocken Hackfleisch mit einem ordentlichen Schuss Blut. Dann geht es ans Kneten, und ich versenke meine Haende tief in die Masse, die bald klumpig und feucht wird und sich von selbst zu bewegen scheint. „Die Konsistenz muss wie Streusel aussehen, massiere die Hackfleichkluempchen richtig gut durch, das kann eine Weile dauern“, raet mir Kate.

Waehrenddessen ist geschaeftiges Kommen und Gehen, mehrere Ranger holen Essen aus den Vorratskammern oder fuellen Schraenke auf. Ein staemmiger Ranger grinst mir zu, als ich mich vorstelle: „Wir haben uns gestern schon gesehen; du bist doch die, die sich im Park verfahren hat?“ Diesen Spruch hoere ich in der naechsten Stunde noch zweimal und frage mich allmaehlich, wie viele Leute in dem Auto sassen, das mir auf meiner Irrfahrt begegnet ist. Aber es heisst ja „all press is good press“, und so habe ich mich wenigstens in Erinnerung gebracht. 😉

Wir holen noch eine Taube aus der Krankenstation, die sich in Panik den Kopf angestossen hat, als ein Raubvogel direkt ueber der Voliere gierig seine Schleife drehte, und fahren zurueck zur Rangerstation. Kate ist eine richtige Klatschtante und quetscht mich ordentlich aus. Als ich erzaehle, dass ich im Zelt wohne, lacht sie droehnend.

Mittlerweile ist Zeit fuers Mittagessen, und wir setzen uns um den runden Tisch und packen Sandwiches und andere Leckereien aus. Auf dem Weg haben wir einen heimischen Baum mit dunklen Beeren entdeckt, der zur Bluetezeit wohl einen fauligen Fleischgeruch verstroemt, und ueberlegen uns, ob die Beeren wohl der frisch gelieferten Fruchttaube munden moegen, die im Bueroraum in Quarantaene ist. Sie ist ziemlich waehlerisch und stuerzt sich zwar auf die Blaubeeren, laesst aber die restlichen Fruechte im Napf noch links liegen. Die Beeren sind blau und duften erfrischend, und wir schlagen erstmal im grossen Pflanzenbuch nach, das auf dem Tisch liegt. Gesucht, gefunden, und unter „other uses“ lesen wir, dass die Aborigines die Beeren gerne essen, also probieren Greg, Kate und ich gleich eine. Es ist  nur eine duenne Fruchtschicht zwischen Schale und dem verhaeltnismaessig grossen Kern, und der Geschmack ist ziemlich nichtssagend, aber da die Fruechte so den Blaubeeren aehneln, probieren wir doch unser Glueck mit der Taube.

Nat, die ihr beigebracht hat, auf ihren Finger zu huepfen, nutzt die Gelegenheit, ihr gleich ein paar weitere Tricks beizubringen. Sie klopft geduldig auf ihren Zeigefinger, bis die Taube, die ihr Gesichtchen immer neugierig zu ihr dreht und weiter am Arm entlanghuepft, zur Fingerspitze tippelt, wo sie gleich mit der neuen Beere belohnt wird. Kate, Greg und ich halten den Atem an und brechen in – verhaltenen – Beifall aus, als das zierliche Tier die blaue Beere in den Schnabel nimmt. Die Frucht ist gross und der Schnabel ist klein, aber unter einiger Anstrengung verschwindet die Beere langsam durch den Schlund. Die Taube isst noch zwei weitere Beeren, dann ist sie satt. Experiment gelungen, der Speiseplan wurde um 50% erweitert!

Nach dem allseitigen Mittagessen holt Nat Mumbles fuer einen Ranger Talk aus dem Kaefig, und ich ziehe mit Kate zur Nachmittagsfuetterung los, die weit weniger umfangreich ist. Wir tauschen lediglich einige Fressnaepfe aus. An einem Gehege mit grossem Teich holt Kate einen Haufen kleiner Fische und ein paar kleingehackte Kueken hervor. Die zwei Wassermonitore (Merten’s Water Monitor) bekommen ihr Mittagessen! Waehrend sich Besucher an der Glasscheibe die Gesichter platt druecken, stapfen wir hinter die Umzaeunung und werfen Haeppchen ins Wasser. Die Monitore werden wild; sie scheinen nicht nur sehr hungrig, sondern auch aeusserst territorial zu sein, und balgen und schnappen nacheinander, die schlanken Koerper mit den langen Haelsen umeinander gewunden. Schnell wirft Kate die Beute etwas weiter entfernt ins Wasser, um die Raufbolde zu trennen, und ich bewundere die schoene gruene Reptilienhaut mit den hellen Flecken, die in der Sonne schimmert.

Es leben auch drei Schlangen im Monsoon Forest, fuer die eine Schale mit – toten – Maeusen bestimmt ist. Die ersten beiden – Taipan und Western Brown Snake – sind hochgiftig, und nachdem Kate sich vergewissert hat, dass die Schlangen sich am anderen Ende des Terrariums befinden, oeffnet sie die Glastuer nur einen Spalt und wirft die Maeuse rasch hinein. Ich bin ueberrascht, dass sie keine lebenden Maeuse bekommen, und sie erklaert, dass das in gesetzlichen Einrichtungen (Tierparks) verboten sei. In Gefangenschaft lebende Schlangen gewoehnen sich aber rasch an das tote Futter. Und tatsaechlich, die Brown Snake verspeist bereits die erste Maus, und auch der Taipan kommt interessiert naehergekrochen.

Die letzte Schlange ist eine huebsche Golden Tree Snake, ungiftig, und ich darf sie mit den kleinen nackten Babymaeusen fuettern, die noch im Futternapf verblieben sind. Kate klemmt die erste Maus in eine grosse Grillzange, oeffnet die Terrariumtuer weit und macht es vor: Die Grillzange wird, der Maeusekopf appetitlich vorne herausbaumelnd, weit in das Terrarium hineingesteckt, bis knapp vor die Schnauze der Baumschlange, die sich grazios um ihren Ast gewickelt hat und schon freudig vor sich hinzuengelt.

Es ist eigentlich ganz einfach: man zittert etwas mit dem Mausekopf vor dem Maul herum, die Schlange biegt sich in S-Form und stoesst dann blitzschnell zu, man oeffnet die Zange und schnapp, schnapp, schnapp, ist das Mausebaby verschwunden! Das klappt auch ganz gut, aber nach zwei Maeusen ist der groesste Hunger offensichtlich gestillt, und ich wackele so lange mit der dritten herum, dass sie mir zweimal runterfaellt und ich sie mit der Zange aus der Vegetation fischen muss. Schliesslich ist auch die dritte im Magen der Schlange verschwunden, und wir beobachten noch ein wenig den Taipan, der eine wesentlich groessere Maus verschluckt hat und diese nur mit den Muskeln langsam nach unten arbeitet. Beeindruckend! Kate erzaehlt, dass Taipane hier oben recht selten seien; die meisten sind in Queensland um die Zuckerrohrplantagen zu finden.

Damit ist der Arbeitstag im Monsoon Forest eigentlich auch schon zu Ende; da bereits um 6 Uhr frueh begonnen wird, ist um 14 Uhr Feierabend. Ich verabschiede mich von Kate und Greg, die sich fuer meine Mitarbeit bedanken, und fahre mit Nat zurueck zum Vet Centre.

Dann habe ich zwei Stunden Zeit bis zum Treffen mit den Diploma-Studenten aus dem hoeheren Semester, die diese Woche im Park Tiere zaehlen und Fallen aufgestellt haben. Abends sollen Erhebungen mit Taschenlampen durchgefuehrt werden, und wer von uns Cert. III-Studenten im niedrigeren Semester Lust hat, darf teilnehmen.

Busfahrer Luke nimmt mich in seinem Shuttlebus einmal um den Park mit zur Goose Lagoon, der einzigen Stelle im Park, die ich noch nicht kenne. Jetzt zu Ende der Trockenzeit befinden sich hier Scharen wilder Pelikane und anderer Wasservoegel, und ein huebscher Spaziergang (Paperbark Walk) fuehrt zu einer Aussichtsplattform am Rand des Sees, wo ich eine Weile stehe und dem Treiben zusehe. Eine Schwar Pelikane schwimmt majestaetisch von Ufer zu Ufer, Enten und Gaense ziehen, ein paar flauschige Kueken im Schlepptau, munter ihre Kreise, und am Himmel schweben die unvermeidlichen Raubvoegel. Kein anderer Besucher hat sich hierher verirrt, und ich geniesse die friedliche Stimmung von meinem schattigen Plaetzchen aus.

Um vier treffe ich unsere Lektorin Tracy mit einer Handvoll Studenten aus meinem Jahrgang. Sie packt mich in den Uni-Jeep, und wir fahren zum verabredeten Treffpunkt zu einer der Hinterstrassen des Parks, wo die Diploma-Studenten in ihren Autos schon auf uns warten. Sie sind seit Montag mit den Untersuchungen beschaeftigt; haben ein kleines Haeuschen am Rande des Parks in Beschlag genommen und fuehren zu jeder Tages- und Nachtzeit Zaehlungen durch. Alle sehen etwas muede aus.

Wir trennen uns, um in zwei Gruppen Zaehlungen innerhalb von zwei Untersuchungsquadraten von je 500 Quadratmetern durchzufuehren. Eine Diploma-Studentin mit grauen Haaren und jungem Gesicht hat die Vogelzaehlung in unserer Gruppe vorbereitet und erklaert das Vorgehen. Wir schreiten an einer Reihe gekennzeichneter Baeume in die Vegetation ein, bleiben dann in einem lockeren Kreis stehen, verhalten uns still und notieren alle Voegel, die wir um Umkreis von 25 Metern sehen. Die Identifizierung faellt uns nicht ganz einfach, besonders Diego und mir als Europaern nicht, die sich noch nicht so gut mit der heimischen Vogelwelt auskennen, aber wir sind bewaffnet mit Fernglaesern und Vogelbuechern und mit Andrew ‚Gandalf‘, unserem weisen Dozenten mit dem langen weissen Zaubererbart. Er erkennt viele der Voegel schon anhand der Stimmen, und so notieren wir verschiedene Papageienarten und viele weitere Voegel und lernen allerhand. Auch Schmetterlinge und andere Tiere werden als „Vorfaelle“ im Formular festgehalten. So arbeiten wir uns mit vielen Pausen durch das Gelaende vor; suchen die umliegenden Baeume mit unseren Fernglaesern ab und scannen den Himmel mit blossem Auge. Ich bin ein wenig stolz, als ich als erste ein Paar Gelbhaubenkakadus entdecke, die in typisch trunkenen Flug ueber unsere Koepfe ziehen.

Nach der Vogelerhebung ist es spaeter Nachmittag und Zeit, die zwanzig Fallen zu fuellen, die die Diploma-Studenten im Gelaende verteilt haben. Die meisten der Fallen sind lange schmale Stahlbehaelter (Elliot Traps), die mich als Tier eher abschrecken wuerden, auch wenn John, einer der Diplomastudenten, sie liebevoll mit Laub abdeckt. Wir bestuecken sie mit selbstgemachten Koedern aus Erdnussbutter, Honig und Haferflocken, die appetitlich duften. In die groesseren Klappenfallen kommen zwei oder drei Muesliknoedel. Wir achten darauf, dass sich die Fallen im Schatten befinden werden, wenn die Sonne herauskommt, damit die evtl. gefangenen Saeugetiere (Quolls oder Oppossums oder kleine Beuteltiere) nicht gekocht werden, bis die Studenten sie im Laufe des Morgens checken.

Danach werden wir in die Autos verladen, um uns am Haus der Diploma-Studenten mit Pizza zu staerken, bevor die Nachterhebung beginnt. Mir gegenueber sitzt ein Maedchen, dessen Gesicht mir bekannt vorkommt, und tatsaechlich meint sie:“Hast du nicht heute im Park ausgeholfen?“ Sie arbeitet dort auch gerade nebenher, und fragt gleich, ob ich diejenige sei, die sich gestern im Park verirrt habe. Hmpf. Gleich danach meint sie aber, sie habe nur Gutes von mir gehoert, meine Betreuer haetten mich sehr gelobt und gemeint, ich habe ordentlich mitgeholfen und viel gelernt. Das waermt das hoffnungsfrohe Anwaerterherz!

Die Pizza ist reichlich und wir verzehren sie mit hochwillkommener eisgekuehlter Cola im Garten, waehrend langsam die Daemmerung einbricht. Ich unterhalte mich mit Waleve, einer der Dozentinnen, ueber das naechste Semester, und sie fragt mich, ob ich weitermachen werde. Ich moechte schon, meine ich, und sie bestaerkt mich:“Unbedingt! Du bist eine sehr gute Studentin, wir benutzen deine Berichte als Beispiel im Diplomakurs!“ Das waermt dann auch mein hoffnungsfrohes Studentenherz, und sie erzaehlt, dass sich auch Sarah, die Freiwilligenkoordinatorin des Parks, positiv ueber mich geaeussert haette, und dass sie ihre meine Berichte weiterleiten wird. Hurra! Wir reden noch ein wenig ueber Jobs und Zertifikate, und Andrew, Tracy und Waleve raten mir, den „heavy rigid“-Truck-Fuehrerschein zu machen, mit dem ich auf einer der vielen Baustellen hier sicher einen Job finden werde. Ich erinner mich an Martin aus Irland, der als Truckfahrer sogar gesponsert werden sollte, und beschliesse, mich dahinterzuklemmen. Mit meinem normalen PKW-Fuehrerschein muss ich wohl nur eine Pruefung ablegen, um den Zusatz zu bekommen.

Als es vollstaendig dunkel ist, teilen wir uns wieder auf die Autos auf und fahren an verschiedene Ecken des Parks, um in kleinen Gruppen und mit Taschenlampen bewaffnet Tiersichtungen festzuhalten. Ich ziehe mit Reina und Diego los, einen dunklen Feldweg entlang, und wir leuchten mit unseren Lampen in das Gestruepp und sehen erstmal garnichts. Erst nach einer Weile entdecken wir einige Fledermaeuse, hoeren Voegelgezwitscher, und eine Motte fliegt mir ins Gesicht. Ich halte alles ordentlich auf meinem Formular fest, auch die Wallabies, deren Schwanzspitze unser Licht gerade noch so erhascht. Auf dem Rueckweg haelt Reina ploetzlich inne und gebietet mit einer Handbewegung Einhalt. Wir lauschen und hoeren Geraschel im Gebuesch; Reina ist sicher, dass es ein wilder Hund ist.

Am Auto treffen wir auf die anderen, die uns einige Spinnen- und Geckofotos zeigen, und JB entdeckt noch eine weitere, gut getarnte Wolfsspinne an einem Baum neben dem Auto.

Dann geht es nach Hause, und es ist nach neun, als ich voellig verschwitzt unter die Dusche springe. Neben meinem Zelt haben sich neue Nachbarn niedergelassen; zwei aeltere Maenner, die neben ihrem Anhaenger mit Motorboot Bier trinken. Die beiden sind aus Queensland und fangen hier am Montag einen neuen Job als Truckfahrer an. Gute Kontakte fuer meinen neuen Plan! Die beiden heissen Steve und Danny und fragen mich gleich, ob ich Hanna sei. Ich bin etwas ueberrascht, und sie meinen, die Dame am Empfang habe ihnen gesagt, ich sei ein nettes Maedel und eine gute Nachbarin. Das ueberrascht mich nicht, da um mich herum lauter laermende, Naechte durchsaufende franzoesische Backpacker zelten, ueber die sich alle schon beschwert haben … 😉 Steve und Danny sind sehr nett und wir unterhalten uns ueber das Fischen (dazu das Boot), die Regenzeit und elektrischen Stuerme hier im Norden. Die beiden meinen, sie wuerden mir ein paar Paletten mitbringen, auf die ich mein Zelt stellen koenne, und dann wuerde ich auch die Regenzeit durchstehen.

Nach diesem langen Tag und den vielen positiven Rueckmeldungen krieche ich erschoepft in mein noch ebenerdiges Zelt und bin binnen Minuten eingeschlafen.

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{September 25, 2012}   Free as a bird

Es ist halb acht Uhr morgens, und die nahende Regenzeit taucht die Morgensonne in eine Nebelwand. Ich packe meine Siebensachen und meinen Koerper in PPE (personal protective equipment), in diesem Fall in lange Jeans, robuste Schuhe, ein langes, leichtes Hemd und einen breitkrempigen Hut, dazu 30+-Sonnencreme, da die Tropensonne bereits jetzt und hinter feinem Dunst verborgen ihre Kraft durchscheinen laesst. Ich klemme mich hinter das Steuer meines treuen Stationwagons und lege die knapp 15 km zum Territory Wildlife Park zurueck, wo ich um acht meinen Freiwilligeneinsatz am Flight Deck beginnen soll. Der Park ist noch nicht geoeffnet, wie ein Schild neben der nur einspurig geoeffneten Einfahrt warnt. Als ich an der Kasse nach dem Vet Centre frage, wo ich das Team vom Flight Deck treffen soll, schaut die junge Frau etwas zweifelnd und weist mir dann aber einen Weg, von dem sie glaubt, es sei der richtige. Einfach links an der naechsten Gabelung. Nach links weist ein Schild „Authorised vehicles only“, und ich biege forsch ein. Als Ehrenamtliche bin ich ja wohl authorised! Keine hundert Meter spaeter aber befinde ich mich auf der Hauptstrasse des Parks, wo in einer halben Stunde der Shuttlebus Besucher zu den einzelnen Attraktionen bringen wird. „Einbahnstrasse“ warnen mich mehrere Schilder, und dicke Pfeile zeigen unmissverstaendlich nach vorne. Es ist keine Moeglichkeit zum Wenden, und so fahre ich widerwillig weiter, vorbei am Billabong, wo Pelikane und ein Suesswasserkrokodil wohnen, vorbei am Aquarium, am Nocturnal House, dem Dingogehege etc. Es ist keine Menschenseele unterwegs, und ich frage mich leicht verzweifelt, ob ich so bis vors Hauptgebaeude fahren muss, gefangen in der inneren Kreisstrasse des Tierparks, und ob ich dann womoeglich genau in dem Moment aufkreuze, wenn Besuchermassen in den ersten Shuttlebus stroemen – dem mein staubiger Ford Falcon den Weg versperrt.

Zum Glueck komme ich dann aber an einer Seitenstrasse vorbei, aus dem gerade ein Rangerauto biegt, und mit quietschenden Reifen halte ich an, da braucht es auch die erhobene Stop-Hand des Beifahrers nicht. Die Ranger sind aber gelassen und lachen freundlich, „Ja, du bist ziemlich falsch!“ Ich solle aber einfach in die Seitenstrasse einbiegen, und dann … Ich versuche mir die Wegbeschreibung zu merken, bin aber kurze Zeit spaeter auf einem ueberwucherten Weg, der nur fuer Jeeps gedacht sein kann. Nach mehreren Vor- und Zurueckmanoevern und unter viel Schwitzen finde ich schliesslich zum Vet Centre, wo ich in meiner Verwirrung erstmal nach dem „Flight Desk“ frage. Zunaechst haelt man mich fuer eine sehr verspaetete Diploma-Studentin (das Semester ueber unserem ueberprueft diesen Morgen Fallen im Park), und es dauert etwas, bis ich dem richtigen Team – Flight Deck – zugewiesen werde. Adam, ein braungebrannter Mann mit furchterregenden roten Narben im Gesicht, nimmt mich in seinem Landrover mit. Es geht ueber holperige Seitenstrassen, und er ist etwas erstaunt, als ich erzaehle, wo ich mich vorher verirrt hatte, und verspricht, mir den Weg spaeter zu zeigen.

Adams Kolleginnen Nicole und Anna sind schon da und begruessen mich freundlich. Der innere Bereich des Flight Decks besteht aus ein paar einfachen gruenen Holzgebaeuden und mehreren grossen Volieren, in denen sich die Voegel befinden. Meine erste Aufgabe besteht darin, vier grosse Kaefige auszuspritzen, in denen sich die groesseren Raubvoegel befinden. Adam und Nicole holen die drei Adler dazu aus ihren Gehegen, nur der Falke im letzten Kaefig verbleibt. Ich spritze die Teppiche mit grossem Druck ab, um Kot, Federn und Laub aus der zentimetergrossen Luecke in der Aussenwand zu schwemmen, und helfe bei hartnaeckigeren Flecken mit der Klobuerste – wie passend! – nach. Die grossen Trinkwasserbecken kippe ich aus, schrubbe sie kurz und fuelle sie mit neuem Wasser. An den dicken Aesten, auf denen sich die Voegel niederlassen koennen, stosse ich mir wiederholt den Kopf.

Der Falke ist etwas alarmiert, als ich in sein Gehege trete, und flattert mir mehrmals entgegen, haelt Schwingen schwingend ueber meinem Kopf inne und fliegt wieder in seine Ecke. Schnell stosse ich die Tuer zu, bevor er sich von dannen machen kann, und drehe den Wasserstrahl auf. Das behagt dem guten Vogel auch nicht sehr, und mehrmals startet er seine Ueberfliege- und Wendemanoever. Erst gegen Ende lehnt er sich zurueck und oeffnet den Schnabel, um sich am hochspritzenden Wasser zu laben.

Nach dieser symbolischen Friedenspfeife reinige ich noch die restlichen Aussengehege, und dann nimmt mich Adam mit, zurueck zum Vet Centre. Vor einer Woche wurden drei kleine Dingos im Park abgegeben, Waisen, der Verbleib der Mutter war unbekannt. Die ca. 12 Wochen alten Welpen druecken sich zitternd ans aeusserste Ende des Kaefigs, und Adam warnt mich:“Das sind wilde Tiere, keine normalen Welpen!“ Respektvoll bleibe ich stehen, waehrend er eins der zitternden Fellbuendel aus dem Kaefig fischt. Adam ist ein langjaehriger Tiertrainer, der schon in Afrika mit Geparden gearbeitet hat, und so ueberrascht es mich nicht, dass das Tier sich schon nach kurzer Zeit vertrauensvoll in seinen Arm kuschelt. Wir bringen den Dingo – provisorisch „Blue“ nach der Farbe seines Halsbandes benannt – zum Tierarzt, der testen soll, warum er so raeudig aussieht und Fell verliert. Adam, Blue und der Tierarzt quetschen sich in eine kleine dunkle Kabine, eine Krankenschwester und ich spaehen durch die halbgeoffnete Tuer. Es wird auf Pilz getestet, der unter den Lampen hell aufleuchtet. Unter dem Personal gehen gerade einige Pilzkrankheiten um, erzaehlt mir die Krankenschwester froehlich:“Dann leuchtet es da drinnen wie Christbaumschmuck!“ Es bleibt dunkel, und wir atmen auf. Blue ist pilzfrei.

Der Tierarzt nimmt mit Fettcreme eine Fell- und Hautpartikelprobe von Blue, die er auf einen Objekttraeger schmiert und unter dem Mikroskop untersucht. Auch hier werden keine Parasiten gefunden, und der Tierarzt diagnostiziert Hitze und Stress und verschreibt eine Hautcreme.

Zurueck am Flight Deck bastelt Adam an falschen Emu-Eiern herum, die fuer die Show gebraucht und fast taeglich neu gefertigt werden muessen. Daran erinnere ich mich: Eier sind eine gute Proteinquelle, aber nur wenige Voegel haben einen Schnabel, der kraeftig genug ist, ein nahrreiches Emu-Ei, das bis 14 cm gross sein kann, zu knacken. Einen aber gibt es, der black-breasted buzzard, der das blaugefaerbte falsche Emu-Ei, das die Trainerin ihm vorlegt, im Handumdrehen mit einem Stein oeffnet. Paedagogisch wertvoll hebt er die Eischalen dann auf und bringt sie der Trainerin, die die Zuschauer dabei sanft ermahnt, wie wichtig es sei, keinen Abfall liegen zu lassen.

Anna und Nicole ueben waehrenddessen mit einer jungen Schleiereule einfache Kommandos und Fluege. Das huebsche Tier hat aber keine rechte Lust und dreht sein flauschiges weisses Gesicht immer zur Seite, wenn Anna ihm mit mit einem Finger ueber ihrem Lederhandschuh Zeichen macht. Um zehn machen wir eine kurze Kaffeepause, und Anna und Nicole quetschen mich ueber meine Rundreise durch Australien aus. Wie ich die Westkueste fand, moechte Anna wissen, und als ich es kurz und buendig mit „West Coast – best Coast“ beschreibe, ueberlegt sie, wie sie ihren naechsten Urlaub von Alice Springs im Landesinneren an die Westkueste verlegen kann. Waehrenddessen erzaehlt Nicole, die eigentlich aus Victoria stammt, wie schwierig es ist, dort auch nur an einen Freiwilligenjob zu kommen. Im Healesville Sanctuary bei Melbourne, das ich auch schon besucht habe, bewerben sich durchschnittlich 1300 Leute auf einen Freiwilligenjob, und man muss sich durch drei Interviews kaempfen. Ich staune, und bin froh, dass es hier fuer mich als Studentin von Conservation and Land Management viel einfacher war. Das bestaetigt Nicole auch, meint aber, dass sie sieben Monate umsonst als Freiwillige im Territory Wildlife Park gearbeitet hat, bis sie an ihren Job kam. Auf meine grossen Augen meint Anna, das sei aber eine Ausnahme, sie habe nur einen Monat ehrenamtlich gearbeitet.

Nach der Kaffeepause ist es Zeit, die Voegel fuer die Show vorzubereiten, die um elf beginnt. Nicole faehrt zum Vet Centre, um sich mit den kleinen Dingos zu beschaeftigen, und Adam und Anna bringen die Voegel, die in der Show fliegen, nach vorne hinter das Showgelaende, das sich zu einer kleinen Zuschauertribuene oeffnet. Sie stopfen kleine Fleischstueckchen in offene Plastiktaschen, die entfernt an Federmaeppchen aus der Schulzeit erinnern, und die wiederum in kleine Umhaengetaschen aus Leder. Alles in einer genau festgelegten Reihenfolge, jedem Vogel sein eigenes Maeppchen.

Ich verfolge die Show hinter einem Kaefig, um nicht von ein- und ausfliegenden Voegeln umgenietet zu werden. Waehrend Anna in die Manege stapft und die Zuschauer ueber ihr Mikrophon begruesst, fliegt Adam hinter der Szene hin und her, oeffnet hier ein Tuerchen, durch das quietschbunte Lorikeets unter lautem Gekreische verlassen, um ueber die Koepfe der begeisterten Zuschauer einzufliegen, und wirft da einen Raubvogel im passenden Moment in die Luft, als er Annas einleitende Worte vernimmt. Das Ganze ist ein wohldurchgespieltes Marionettenspiel, und Anna und Adam haben die Faeden fest in der Hand. Es ist spannend, die Show, die ich schon so oft von der Tribuene verfolgt habe, hinter den Kulissen zu sehen. Besonders aufregend, als der schwarze Kakadu mit den leuchtendroten Schwanzfedern nach seinem Auftritt durch eine Tuer in seinen Kaefig verschwindet, und Adam mir bedeutet, die Tuer schnell zuzuschieben und zu verriegeln. Hurra! Ich bin Teil der legendaeren Flight Show!

Nach der Vorstellung bringen Adam und Anna einzelne Voegel zu einem „meet and greet“ nach hinten. Die Zuschauermasse (dank Tourbus eine ganze Menge) draengt nach vorne und bestaunt Ruby die Schnee-Eule und Labelle, den beeindruckenden Keilschwanzadler, der groesste Raubvogel Australiens.

Danach werden noch ein paar Flugmanoever mit einem der Keilschwanzadler geuebt, und dann ist es Zeit fuers Mittagessen. Wir springen in den Landrover und fahren in die Cafeteria im Eingangsbereich, die dank Klimaanlage fuer eine angenehm kuehle Pause sorgt. Beim Essen berichtet Nicole, dass sie eine Liste der Fluesse und Gewaesser im Northern Territory ausgedruckt hat. Die drei Dingowelpen sollen danach benannt werden. Anna plaediert fuer „Elsie“ fuer das Dingoweibchen, was Adam und Nicole zu altmodisch finden. Fuer Blue und seinen Bruder sind Cooper und Mitchell im Gespraech.

Nach der Mittagspause fahren wir am Vet Centre vorbei, um tiefgefrorenes Fleisch und Gipsstreifen fuer Adams Emu-Eier zu holen, und um die Welpen einzuladen, die weiter an menschlichen Kontakt gewoehnt werden sollen. Wir Maedels halten jeder einen Dingojungen auf dem Schoss, und ich kaempfe beglueckt mit dem groessten Maennchen im schwarzen Halsband. Die Dingos wurden 450 km suedlich von Darwin gefunden, und wenn der einzige Dingo des Tierparks nicht schon vom Alter gezeichnet gewesen waere, haette der Park die Welpen nicht aufnehmen koennen. Auf meine Frage, was dann mit ihnen geschehen waere, meint Adam lakonisch: „They would have been destroyed.“ Ich knuddele meinen Welpen und bin froh, dass er leben durfte.

Die Dingos kommen in einen Kaefig ins klimatisierte Buero, und ich spiele noch ein wenig mit meinem, waehrend die anderen ihrer Arbeit nachgehen. Erst, als die beiden anderen voller Behagen in ihren Napf voll Hackfleisch reinhauen und mein Dingojunges unruhig wird und zappelt, setze ich ihn zu seinen Geschwistern. Ich wasche ein paar blutige Plastiktaeschchen aus und schaue dann den anderen bei ihrer Arbeit zu, die weiter Flugmanoever ueben. Um dreiviertel drei ist die Nachmittagsshow, und ich begleite Anna und Nicole, die diesmal die Veranstaltung schmeissen, nach vorne. Wieder werden geschaeftig Kaefige zurechtgerueckt und Fleischstueckchen vorbereitet, und es klappt wieder alles am Schnuerchen. Ich denke von selbst daran, das Tuerchen hinter dem rotschwaenzigen Kakadu zu schliessen. Nach der Veranstaltung werden noch ein paar Voegel im Buero gewogen, und ich streichele die Dingos durch den Kaefig und darf dann noch ein wenig eine der Eulen halten. Sie wird regelmaessig von Zuschauern gehalten und sitzt still auf meinem Lederhandschuh, auch wenn die Dingos sie etwas nervoes machen. Erst als Anna den Besen hervorholt und zwischen meinen Beinen herumfuchtelt, schreckt Ruby auf und flattert hoch, und ich halte sie an den Lederbaendchen fest, bis sie sich wieder beruhigt hat.

Um vier ist Feierabend, und Adam faehrt mich und die kleine Elsie, die von Anna hartnaeckig weiterhin so genannt wird, und die heute bei ihm uebernachten darf, zum Vet Centre.

Auf dem Heimweg mache in an Berry Springs Halt und springe kurz ins Wasser, um mich abzukuehlen. Gepunktete Archerfish (Schuetzenfische) schwimmen um meine Beine, und im lauwarmen Wasser kuehle ich langsam ab …

Es ist halb acht Uhr abends, als ich diesen Bericht schreibe, und ich sitze an meinem Aussenschreibtisch unter Palmen, ueber mir ein heller Halbmond und ein paar erste Sterne, in der Ferne eines der unvermeidlichen Feuer.



{September 18, 2012}   Pest Animal Survey Work

bushwalking

equipment

FERAL PIGS

  • 1 out of 4 male ( this 3:1 ratio means the population can explode quickly)
  • ca. 1400 pigs in the 2000 acres floodplain area between Snake Creek and Marrakai Station
  • 420 eliminated over 12 months
  • Techniques used: baiting/trapping and shooting
  • Shooting: large calibre (308)
  • No tuberculosis (TB) found so far
  • Average water-usage (conditions: 32° C, humidity 58%, 30 kg pig) 3-4 litres per day (  increases drastically when running, as their blood heats up quickly à good to keep in mind for hunting)

Other pest animals on the property:

Wild Dog

transecting

(Canis lupus)

  • 2 out of 5 male
  • 134 eliminated over 12 months
  • shooting: small calibre (22 magnum)
  • baiting: Doggone ( problematic: possums eat it too, because it contains linseed )
  • wild dog problem increasing: breeding with pig dogs makes them bigger and less fearless of people à they can take out cattle by themselves now xxx
  • never shoot head bitch, as then all the other bitches will start breeding

preparing traps

Buffalo

(Bubalis bubalis)

  • 3 bulls and 11 cows in the area
  • Shooting: large calibre (308)

Feral cat

(Felis catus)

  • installing cameras

    98 eliminated over 12 months

2. Ground transecting

Ground transecting is an important method to monitor changes in vegetation and presence of pest animals in a certain area.

There are three different survey methods:

1)      Census:  an entire area is examined (used for small areas)

2)      Quadrat: a square (e.g. 1m x 1m), usually along a transect line

3)      Transect: a path along which points of interest are recorded, e.g. disturbances, vegetation

Transecting was practised with data sheets used for that purpose by the Cobourg Feral Animal Control Project. The area was selected at random by throwing a hat, then spinning around and coming to a sudden halt to determine the direction in which the transect line was to be measured out.



{September 13, 2012}   Douglas Hot Springs

Diego repariert den crab pot

Cherubim-Falle

Mein Ausflug mit Bear Grylls (alias Hayley) und  Bushman (Diego) war super! (Ich selber war Crocodile Dundee.)

Wir haben eine Weile gebraucht, um in die Gaenge zu kommen (lange am shopping centre verweilt, wo uns Wuerstchen verkauft wurden – buffalo und camel, und „very spicy“. Die Verkaeuferin meinte, es haetten sich mehrere Leute beschwert, aber mein Gott, so drastisch war das echt nicht!!).

Nun ja, wir sind gemuetlich ueber die Hinterstrassen zu den Hot Springs gefahren, ohne Verirrungen. Hayley und Diego waren begeistert (wie es sich gebuehrt!), und wollten dann am naechsten Tag garnicht mehr abreisen, so dass wir beide Naechte dort geblieben sind …

Es ist aber auch zu schoen da, mitten in der Natur, ein liebliches Flusssystem im Gruenen, alles malerisch bewachsen und mit kleinen sandigen Inselchen. Man kann sich mit einem guten Buch hinterruecks ins flache Wasser legen und, je nach Aussentemperatur, entweder im kuehlen Strom liegen oder die warmen Sprudel suchen, die an verschiedenen Stellen emporsteigen.

Hayley macht Damper Pizza

Am Kochen

Wenn einem nach Abenteuer zumute ist, wandert man einfach das Fluesschen entlang. Auf dem Weg kommt man an verwunschenen Baumfriedhoefen vorbei, wo viele von Zyklonen entwurzelte knorrige Baeume rumliegen und als Heim fuer Reptilien, Insekten und Voegel dienen. Man kommt an wuselnden Nestern voller gruener Weberameisen vorbei, die sich, wenn man zu nahe an ihnen vorbeistreift, gerne mit ihren Kneifern hartnaeckig ind er Haut vergraben (autsch), man sieht kreisende Raubvoegel und knabbernde Kakadus, und man passiert viele, viele Spuren von Wallabies und Bueffeln (Kot und Fussabdruecke).

Habe instaendig gehofft, letzteren nicht zu begegnen, aber musste daran denken, was Michael uns erzaehlt hatte: relaxen, relaxen, relaxen, moeglichst so reagieren, dass das Tier ueberrascht ist (also lachen oder so).

Wir haben eine Falle fuer die Cherubims ins Wasser gelassen, die wir bei uns an der Uni am See gesehen haben, und haben ein Huehnerbein hineingelegt. Das hatten wir richtig schoen in der Sonne dampfen lassen, damit es intensiv riecht, und das hat dann so wunderbar funktioniert, dass ich fast mein Essen wieder ausgespuckt haette, als Hayley und ich das bestueckt haben.

mjam

Diego hat Hunger

Angeblich ist das aber sowieso nicht der richtige Weg, Cherubims zu fangen; man sollte immer frischen Koeder nehmen, also nix Stinkendes. Mich koennte man mit so nem wabbeligen Huehnerfluegel auch nicht fangen …

Dann schon eher mit so einer Damperpizza! Hmmm, das war wieder lecker. Und so einfach. Hayley hat die Teigzubereitung uebernommen, und es endete alles in einer riesigen Mehlschlacht, aber das Endergebnis war wirklich lecker. (Auch wenn die anderen zweifelhafte Verschlimmbesserungen in Form eines Eis hatten.)

Ausflug mit Bear Grylls, Crocodile Dundee und Bushman

Ausflug mit Bear Grylls, Crocodile Dundee und Bushman

Ausflug mit Bear Grylls, Crocodile Dundee und Bushman

Ausflug mit Bear Grylls, Crocodile Dundee und Bushman

Am Relaxen

die Hot Springs

Ausflug mit Bear Grylls, Crocodile Dundee und Bushman



{August 23, 2012}   Exkursion Labelle Station

staubige 4WD-Fahrt

viel Vieh auf der Rinderfarm

Gestern hatten wir unseren bisherigen Hoehepunkt: Ausflug zu Labelle / Welltree Station in Litchfield Park.

Es war toll. Wir sind im Konvoi von zwei universitaetseigenen Jeeps losgefahren. Die (Mega-)Farm liegt auf einer Seitenstrasse, die im Litchfield Nationalpark abgeht. Sie ist supergross (hab vergessen, wie viele Hektar insgesamt, aber geht bis zum Meer) und gehoert R.M. Williams, einer Firma, die Cowboyzubehoer herstellt (Huete und Stiefel und Guertel und so). Sie hat viele Angestellte, u.a. zwei junge Briten, die als externe Studenten an unserem Chemikalien-Modul mitgewirkt haben. (Und dabei vorgeschlagen, dass wir auch zu diesem Infotag kommen sollten.)

Ausser uns waren mehrere Rangergruppen von verschiedenen Nationalparks da, Cowboys (Station Hands) von verschiedenen Farmen aus der Umgebung, und ein paar Piloten von einer Firma aus Batchelor, die ich vom Sehen kannte.

Es war alles total gut organisiert! Wir kamen an, und die Haushaelterin hatte einen Riesentisch mit Kaffee, Tee, Sandwiches, Muffins und allerlei Erfrischungen vorbereitet. Dann gab es verschiedene Begruessungsreden, u.a. auch von der Haushaelterin (komme nicht drueber hinweg. wie aus einem Roman!).

Mimosa, nach Sprayprogramm

Sprayeinsatz-Demonstration

Dann sind wir alle in die verschiedenen Jeeps gestiegen und in einem Riesenkonvoi uebers Land gefahren, bis wir zum ersten Mimosa Hot Spot kamen.

Mimosa ist ein hoechst invasives Unkraut, das sich hier auf weiten Teilen ausbreitet. Eine andere Farm, die wir besichtigt haben, bestand z.B. zu 95% aus Mimosa, so weit waren die einheimischen Pflanzen schon verdraengt! Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es sich bei der Mimosa um unsere Mimose handelt, die man gerne dafuer hernimmt, wenn sich jemand besonders empfindlich verhaelt, aber es koennte gut sein. Zwar ist die Pflanze nicht superempfindsam (eher richtig robust!), aber sie hat wohl sehr schoene Blueten (die ich noch nicht gesehen habe), und sie hat eine Besonderheit: wenn man an ihren Blaettchen entlangstreicht, ziehen die sich zusammen, wie um der Beruehrung zu entgehen. Sie hat aber ziemlich fiese Stacheln, so dass es das Umherstreichen in einem dichten Mimosa-Waeldchen sehr schwierig macht, staendig bleibt man haengen bzw. muss sich in Acht nehmen, keine Stacheln einzufangen, die sich boese entzuenden koennen.

Mimosa

Gruppendiskussion

Den Vormittag haben wir also damit verbracht, von infizierter Stelle zu infizierter Stelle zu fahren. Dort haben dann verschiedene Sachkundige ihre Bekaempfungsmethoden vorgestellt (u.a. auch mit einer spontanen Spruehdemonstration) und es wurde diskutiert, wie das an den jeweiligen Arbeitsstellen der Teilnehmenden aussah bzw. gehandhabt wurde.

Das war schon total interessant, aber fast eindrucksvoller war es noch, zu sehen, wie sich das Leben auf einer grossen Rinderfarm abspielt, und die Szenerie war umwerfend: staendig sind Kuehe strammen Schrittes umhergestreift, an den verschiedenen Wasserstellen waren vielerlei Voegel zu sehen (u.a. auch Pelikane!), und dank der vielen Aborigines mit ihren scharfen Augen haben wir auch das eine oder andere Kroko erspaeht.

Am Billabong

Billabong

Auf Labelle Station wird die Mimosa-Vernichtung im Rahmen eines Regierungsprogramms gesponsert, und entsprechend gut war alles organisiert. Ich kam mir wie ein hofierter Naturwissenschaftler vor – mal was anderes als die staendig gekuerzten Etats von Geisteswissenschaften, wie ich es gewoehnt bin! An jedem Hot Spot wurde eine grosse Kuehlbox ausgeladen, die mit Eis und eisgekuehlten Getraenken gefuellt war, an denen sich jeder bedienen konnte. (War auch vernuenftig, es war HEISS in der Sonne!)

Bootstour

Bootstour, auf der Suche nach Krokos

Mittags gab es ein grosses Barbeque-Buffet, und dann eine kleine Bootstour ueber das Flusssystem, das sich ueber die Station erstreckt. Total schoen.

Tourismus soll naemlich ein weiteres Standbein werden; es gibt schon genuegend reiche passionierte Angler, die ein Heidengeld dafuer zahlen, ein paar Tage auf der Station zu verbringen und dort in den fischreichen Gewaessern umherzuschippern, abseits vom Touri-Trubel …

Insgesamt eine tolle Exkursion! Ich war mit den coolen Leuten aus meinem Kurs im Wagen von Scott, dem Leiter der Horticulture-Abteilung, der total nett und hilfsbereit war und mir verschiedene Tipps gegeben hat, wo ich mal wegen Arbeit anfragen kann. (Ich wuerde ja gerne in einer Gaertnerei arbeiten, um – neben dem Geldverdienen – mehr ueber die lokale Flora zu lernen. Zwei Fliegen mit einer Klappe!)



{August 19, 2012}   Fuetterung der Biester

Philip bereitet die Angel vor

Petri Heil!

Die Biester sind diese vermaledeiten ekelhaften verhassten Stechmuecken des Teufels, moegen sie an meinem Blut verrecken!! Sie haben sich in den letzten zwei Tagen mit besonderer Begeisterung auf mich gestuerzt, und auch wenn ich eine halbvolle Tube Fenistil in einer meiner Plastiktueten gefunden haben (welch Schatz!) und mich in regelmaessigen Abstaenden elektroschocke, bin ich eine gereizte, wandelnde Beule. Ich muss mir da mal was einfallen lassen. Meine Moskitomaschine ist schoen und gut, aber ich kann sie auch nicht ueberall hin schleppen, und das scharfe Bushmanzeugs kann nicht gut fuer meine Haut sein, die hier sowieso grad ganz gut gegerbt und in Schweiss gebadet wird. Ich muss sehen, ob ich hier aetherische Oele herbekommen kann, und damit etwas experimentieren … – oh, wie vermisse ich meine kleinen gruenen Primavera-Flaeschchen!

Vielleicht liegt es daran, dass es spuerbar heisser wird, und man staendig von einem im Insektenreich offensichtlich appetitanregenden Schweissteppich bedeckt ist. Vielleicht liegt es auch am Fischgeruch – ich war gestern mit ein paar Leuten von der Uni in Palmerston an der Bruecke und habe meine Angel eingeweiht! Ja, meine brandneue Angel, deren Erwerb bittersuess ist: meine netten Caravanfamilie von irischem Familienvater, libanesisch-australischen „Bruder“ und die zwei motorradfahrenden deutschen Weltreisenden neben mir hat mich diese Woche verlassen! Buhu! Ich habe sie alle zum Flughafen gebracht und wurde mit Benzin, Benzingeld, Buechern und Lebensmitteln nur so ueberschuettet, aber lieber haette ich eigentlich die Leute dabehalten … – das ist das Kreuz, wenn man nicht in einer WG, sondern im Hostel oder auf dem Campingplatz wohnt …

Wenigstens konnte ich auf einen besseren Platz umziehen, sowohl windgeschuetzter als auch schattiger. Mein neuer alter Nachbar ist auch total nett, ein Gaertner aus Melbourne, der jetzt in Palmerston arbeitet. Er lebt in einem Caravan, den er erst letzten Monat „geerbt“ hat (der vorige Bewohner ist da drin gestorben, aber wohl an Altersschwaeche), und hat mir schon angeboten, sein Licht zu benutzen, wenn ich mal nicht mit Dunkelheit ins Zelt kriechen moechte (was um 19 Uhr der Fall ist …).

Der einzige Fang des Tages!

Abendstimmung

Zurueck zum Angeln! Wir haben nicht mit „lures“ geangelt, was hier die meisten tun (ein silberner Plastikfisch, den man aber dann staendig auswerfen, durchs Wasser ranziehen, wieder auswerfen etc. muss), sondern mit kleingeschnittenen Tintenfischchen und Garnelen, so dass wir die Angeln ins Wasser haengen und relaxen konnten. Die anderen sind auch mit typischer darwinscher Verspaetung angekommen, so dass es nicht mehr gar so heiss war und wir die Spaetnachmittags- und Abendsonne ueber dem Wasser richtig geniessen konnten. Gefangen haben wir nicht wirklich was – nur Diego hatte ein kleines Fischchen an der Angel, das leider nicht mehr zurueckgeworfen werden konnte, der Haken hatte ihm die ganze Seite zerfetzt, so dass ich ihm schnell ein paarmal eine Flasche ueber den Kopf gehauen habe, armes Ding.

Die Angler neben uns hatten aber auf einmal eine interessante Kreatur am Haken: einen Pufferfisch! Er hat sich tatsaechlich aufgeregt aufgepufft! Ich habe leider nur mit den Augen und nicht auch mit der Kamera fotografiert, so dass ich davon keine Beweisfotos liefern kann …

Abends war ich in Batchelor, beim Abschieds-Barbecue vom srilankischen Koch am Motel/Caravanpark. Entschieden zu viele Abschiede diese Woche!! Es war schoen, alte Gesichter zu sehen und neue kennenzulernen! Dabei hat der Abend erstmal garnicht so gut angefangen – in den letzten Minuten seines letzten Tages hat sich Vee die Hand ungluecklich an einem Teller aufgeschnitten, so dass ich ihn erstmal ins Gesundheitszentrum gefahren habe, wo ein Arzt Nachtdienst hatte und schon einen Dehydrierten am Tropf aufpaeppelte. Die Hand (die rechte ausgerechnet!) musste aber nicht genaeht werden (anscheinend macht man das mit Haenden eh nicht so), und wir sind zurueckgefahren, wo schon grosse Stapel Fleisch auf uns warteten …

Jetzt sitze ich an meinem Outdoorschreibtisch, mit Blick auf die verdorrte Kuhwiese vor mir und geniesse die steife Brise, die ueber den Platz fegt und die Palmwedel unter viel Gerausche verbiegt.  Ich folge dem Schatten, der mich in diesem Moment unter einen grossen abgestorbenen Wedel gefuehrt hat, der schon von den Motorradfahrern mit Sorge beobachtet wurde, aber ich vertraue einfach mal darauf, dass er nicht in genau in diesem Moment abfallen moechte.

Naechste Woche GPS und Kartenlesen an der Uni, welch Freude, und unter anderem auch der Besuch einer grossen Farm in der Naehe. Dort duerfen wir beim Unkrautbekaempfen hospitieren; es stehen aber auch ein Barbecue und eine Bootstour auf dem Programm. Good times!



{August 12, 2012}   Teichverschoenern im WildlifePark

Teich vor der Verschoenerung

JB dokumentiert das Chaos

Zum Glueck spielte die Band ihre Countrymusik nur bis ein Uhr frueh, und danach wurde es auch erstaunlich schnell ruhig. Ich musste naemlich frueh aufstehen, da sich kurzfristig die Moeglichkeit ergeben hatte, im TerritoryWildlifePark beim community volunteering mitzumachen.

Wir trafen uns um dreiviertel neun am Eingang mit Sarah, die fuer die Freiwilligenarbeit zustaendig war. Hayley und Diego pflegten noch ihre Vergiftungen in Darwin, aber es waren trotzdem mit Amanda und JB ein paar aus meinem Kurs dabei. Die restliche Truppe bestand aus aelteren Frauen und ein paar Kindern und war durchweg nett. Auf dem Programm stand leider weder, die Riesenrochen zu massieren, noch ihnen Rutschen zu bauen. Stattdessen fuehrte uns Sarah zum idyllisch gelegenen Buero, das von zwei Teichen eingefasst war, die vor Gruenzeug fast erstickten. Wir rupften

beim Abschoepfen

essentielle Utensilien

und rissen also einen Meter um den Teich die nicht erwuenschten farnartigen Pflanzen weg, die sich mit meterlangen Wurzeln recht energisch im Boden verankert hatten, fischten mit Netzen die Gruetze ab, huben und stiessen mit Spaten und allerhand spitzen Geraetschaften den Bewuchs der Teichumrandung ab und schaufelten das Ganze in zwei riesigen Ladungen auf den kleinen Laster. Am Ende gab es sogar noch eine Art Schatzsuche und ein bisschen was zum Puzzeln, da viele der Steinplatten ins Wasser gefallen oder unter den wuchernden Pflanzen verschwunden waren und wieder ordentlich um den Teich gelegt werden mussten.

Viele der aelteren Damen legten sich unter begeisterten Rufen (“delicious!”) ein paar der besonders schmierigen verwesten Teichpflanzen zurueck, um damit ihren Garten zu fuettern. (“Wie Kaviar fuer meine Pflanzen!”)

Hinterher

eine von zwei vollen Ladungen

Es war aber nicht nur schnoedes Unkrautjaten angesagt – viele der Anwesenden wussten viel ueber die hiesige Flora und Fauna und haben auf besondere Pflanzen und Tiere hingewiesen. Da gab es z.B. den rocket frog, einen kleinen dunkelbraunen Frosch mit ueberdimensionalen Beinen, dessen Sprung wohl an einen Raketenstart erinnert. Leider hat er das nicht unter Beweis gestellt. Dafuer hat ein junges Maedchen staendig interessante Spinnen angeschleppt, die sie sich begeistert ueber die Hand hat laufen lassen. Eine Huntsman mit dicken Beinen (leider nur noch sechs), und eine Teich- oder Wolfspinne mit einem dicken Eisack unterm Leib. Das Spinnenmaedchen hatte keine Scheu und keine Angst vor Bissen und lachte nur, als die Spinnenmama ganz gestresst auf ihre Hand schiss. Es war dann keine Ueberraschung, als sie erzaehlt hat, dass sie Zoowaerterin werden moechte! Sie hat auch schon mal ein paar Tage Freiwilligeneinsatz im Wildlife Park gemacht und durfte dabei, sehr zu meinem Neid, den Riesenrochen im Aquarium streicheln und bespassen, waehrend das Becken gereinigt wurde … Sie hat dann auch sofort, al suns ein verletzter Vogel vorbeigebracht wurde, ihr Hemd so fachmaennisch wie vorsichtig um das Tier gewickelt und ihn in eine Kiste gelegt. Die Fahrerin, die uns das Tier gebracht hatte, meinte auf die Frage, was fuer ein Vogel das denn sei, “ein boesartiger!” – er hatte sie schon ein paarmal gebissen, und hat auch ziemlich gestresst gefaucht die ganze Zeit. Der arme Kerl, er hatte einen Fluegel gebrochen und eine offene, leicht geschwollene Wunde (laut Spinnenmaedchen), und sie hat ihn vor einem Idioten gerettet, der ihn ueberfahren wollte. Eine Vogel-Rangerin hat ihn dann abgeholt, aber es sieht wohl nicht so gut aus. Nur, wenn es ein ganz einfacher Bruch ist, koennen sie ihn zu einem Spezialisten schicken, der ihn schienen kann. Ist der Bruch komplizierter oder das Gelenk betreffen, so kann er nie mehr fliegen und somit nicht ueberleben. L

kein Perlenring, sondern Spinne mit Eiersack

Wir haben von 9 bis 12 fleissig durchgerackert und uns dabei von oben bis unten besudelt. Das Ergebnis konnte sich aber sehen lassen; auf einmal kam Sonne an den Teich, man konnte Fische sehen und das gesamte Oekosystem schien befreit aufzuatmen!

Als Belohnung gab es dann “sausage sizzle” im Garten; gegrillte Wuerstchen, Zwiebeln und “braunes” Toastbrot.

Auf dem Weg sind wir in den Ranger Snake Talk hineingelaufen, wo Lady Gaga ihre Zuschauer in Atem hielt, und wer wollte, durfte sich die schoene Albinoschlange um den Hals haengen.

Das war ein schoener Freiwilligeneinsatz! Der naechste ist in zwei Wochen, aber laut Amanda und JB werden wir schon naechste Woche wieder in den Wildlife Park kommen. Wir machen GPS und Kartenlesen. Hurra!



Abendstimmung

alle Mann auf die Posten!

Ja, das Rodeo. Meine Klassenkumpels Hayley und Diego hatten so sehr mit ihren Hangovers zu kaempfen, dass sie es nicht nach Noonamah geschafft haben, und die Leute vom Campingplatz wollten alle nicht die 25 Dollar Eintritt bezahlen. (Obwohl ich es mit Andreas und Julia probiert hatte, meine motorradfahrenden Nachbarn. Die kamen das letzte Mal mit ihrem orangenen Campingplatzbaendchen umsonst ins Gelaende rein, weil die Security am Eingang entweder farbenblind oder verwirrt war. Es gibt naemlich noch gruene Baendchen fuer den normalen Eintritt, rote fuer unter-18 (wegen der Bar), goldene VIP-Baendchen und noch ein paar Farben mehr. Da kann man ja mal durcheinander kommen. Aber nein, als wir harmlos guckend um die Ecke biegen wollten, wurden wir gleich wieder zurueckgeschickt, um die Ecke, um ein gruenes Baendchen zu kaufen …)

So haben wir uns ein paar Stuehle an den Zaun gestellt und zwischen den Ritzen der Tribuene zugeguckt. Das ging am Anfang ziemlich gut, bloss irgendwann haben sich auch die Leute innen auf die Verbindungsstuecke der Tribuenen gestellt, und dann haben wir nicht mehr viel gesehen. Ausserdem fielen wir doch etwas auf als Zaungaeste; die Australier fanden das sehr komisch.

allez hop

Salto mortale

Zum Glueck hatten Julia und ich nachmittags ein paar gute Bilder geschossen, als die zwei Motorcross-Fahrer aus Melbourne ihre schwindelerregenden Kunststueckchen vorgefuehrt haben. Da wurden die Raeder in der Luft gedreht, beide Beine in die Luft geschwungen, als Hoehepunkt ein Rueckwaertssalto, und grundsaetzlich allerhand beeindruckende Kunststueckchen vorgefuehrt, die mich an meine Kurzzeitkarriere beim Voltigieren erinnert haben. Julia, die alle Motorraeder respektlos “Mopped” nennt, war besonders beeindruckt. Es sei schon total unheimlich, auch nur eine Hand oder ein Bein leicht abzuheben, wenn man auf festem Boden fahre.

wunderbarer Rauch

Die Stierritte gestalteten sich recht kurz – die armen Bullen mit ihren eingeklemmten Hoden haben gebuckelt wie wild, und die Cowboys waren alle so Leichtgewichte, dass sie sich nicht lange halten konnten. Der Kommentator hat aber eine Riesenshow draus gemacht und uns entweder das Tier oder den Jackeroo als Helden und lokale Beruehmtheiten schmackhaft gemacht. Zu schade, dass ich hier keine Videos einstellen kann, aber wer Dropbox und Interesse hat, kann das entsprechende Material bei mir anfordern! J Am beeindruckendsten waren die Rodeo Clowns, die in farbenfroher Kleidung die wildgewordenen Stiere aus der Manege getrieben haben.

Ein paar Reiter haben auch noch ihr Koennen gezeigt, und zum kroenenden Abschluss der Show wurden ein paar Autos in die Manege gefahren und dann unter viel Rauch und Motorgeheule die Reifen verheizt, bis sie geplatzt sind. Ich wuerde ja sagen, viel Rauch um nix, aber bei dem Rest der Zuschauer kam das Ganze sehr gut an. Die Jungs haben aufgeregt gefachsimpelt ueber Zylinder und Benzinmischungen (bei einem Auto kamen richtig Flammen aus dem Auspuff – das haette meinem Freund, dem Feuerranger, garnicht gefallen!), und ein kleiner Junge hat bitterlich geweint, weil er nicht genug Rauch gesehen hat, bis ihn Darren am Zaun hochgehoben hat.

todernste Angelegenheit

furchterregender kleiner Weihnachtsmann und Glocken-Juengling

Sonderbarer Hoehepunkt des gesamten Rodeos aber war (fuer die maennlichen Besucher zumindest), der alles-geht-Boxkampf im Boxing Tent. Fuenf rodeo-eigene Kaempfer (allerdings keine Profis) durften von fuenf (moeglichst nicht zu intoxierten) Besuchern herausgefordert werden. Das Spektakel war wirklich ein Bild fuer die Goetter: vor einer nostalgisch bemalten Kirmes-Zeltanlage war ein Geruest aufgebaut, auf dem ein Haufen ernst bis furchterregend dreinblickender Maenner im Bademantel aufgereiht. Zwei Spargel von Juengelchen standen in ihren Satinmaentelchen an grossen Glocken und haben den Showmaster mit viel Gekluengel zu bestimmten Zeitpunkten begleitet. Der Showmaster hatte einen Gehstock, auf den er sich teils wiegend gestuetzt hat, teils Kaempfer damit herangewinkt hat. Es war nicht ganz einfach fuer ihn, fuenf halbwegs nuechterne Verrueckte aus der Menge herauszugreifen, aber schliesslich war das auch geschafft, und er stellte alle der Reihe nach mit ein paar wohl ausgewaehlten Saetzen und viel Gekluengel von seiten der Juenglinge vor. Besonders viele Fans hatte ein irischer Backpacker, der laut Showmaster nicht genuegend Geld auf seiner Farm verdiente, und mit dem Preisgeld die Haushaltskasse aufbessern wollte. Er wurde allerdings ziemlich bleich und hat nur so vor sich hingeflucht, als der Showmaster, der alle ungefahr nach Gewichtsklasse aufgeteilt hat, ihn dem furchterregendsten der gegnerischen Kaempfer zugewiesen hat. Dieser war zwar einen Kopf kleiner als alle anderen und haette in seinem kurzen roten Satin-Weihnachtsmann-Bademantel durchaus laecherlich wirken koennen, waeren da nicht die kompakten Schultern, der ausdruckslose Blick und die Tatsache, dass er die ganze Zeit vor sich hin taenzelte und schattenboxte, was das Zeug hielt. Half nichts, da musste der Ire nun durch! Der kleine furchterregende Weihnachtsmann behielt uebrigens die ganze Zeit seinen ausdruckslosen Blick bei, wurde mir hinterher berichtet, auch als der Ire ein paarmal einen fiesen Haken landete, bei dem es nur so krachte. Der kleine Kaempfer blinkte wohl kaum, schuettelte sich kurz und boxte weiter. Unheimlich.



{August 11, 2012}   Feuriges Rodeo

Mittags ist noch nicht viel los …

mit den Hunden kommt Bewegung in die Manege

Wochenlange fiebrige Vorbereitung, und das Rodeo ist endlich da! Gestern abend wurden die Stiere schon in die Arena gelassen. Da standen sie, scharrten verwirrt mit den Hufen und muhten ein wenig (zum Glueck sind sie auch irgendwann schlafen gegangen).

Dafuer habe ich neue Nachbarn bekommen, seufz. Ein lautes schwedisches Maedchen mit ihrem leiseren australischen Freund. Sie haben sich direkt neben mich gepflanzt und an ihrem Liebesleben teilhaben lassen. Die Freuden des Campings! Zum Glueck bekam sie irgendwann einen klaustrophobischen Anfall und es war Ruhe im Zelt …

Hier ist auch grad die Ruhe vor dem Sturm, alle doesen oder schlafen. Nur die Rodeoleute sind eifrig am Aufbauen, und auch die Stiere werden immer wieder in die Arena getrieben, dann von den Hunden zusammengetrieben (dass die Kleinen keine Angst haben, aber sie mischen sich mitten unter die donnernde Herde und schnappen nach den Beinen!), und dazu knallt malerisch ein Jackeroo (der hiesige Cowboy) mit der Peitsche. – Das ist uebrigens garnicht so einfach! Einer der Typen hier auf dem Campingplatz hat eine Peitsche, und eines sonntags haben wir alle damit geuebt. Ich dachte ja immer, ich bin recht stark, aber nachem ich die lange schwere Lederpeitsche ein paarmal durch die Luft geschwungen habe, musste ich immer absetzen und mir den Arm reiben. Wenigstens hat es ein paarmal richtig geknallt, yeehah!

und erstmal wieder raus

Chrissy, die Managerin, kam gerade durch und hat allen orangene Baendchen verteilt, mit denen wir wieder in den Campingplatz kommen. Hier ist abends wohl Security, und die schnoede Rodeomeute muss draussen bleiben (dort darf man auch campen). Da bin ich froh, sind schon ein paar harte Typen drunter.

Die deutschen Motorradfahrer neben mir konnten sich letztes Mal sogar mit den Baendchen ins Rodeo reinschmuggeln und haben so die 25 Dollar Eintritt gespart, weil die Leute am Eingang wohl mit den Farben der Baendchen durcheinander kamen (beim Eintritt bekommt man auch Baendchen, in den verschiedensten Farben). Ich weiss aber nicht, ob das dismal hinhaut, Chrissy meinte extra zu mir, das sei nur fuer den Campingplatz, nicht als Eintritt zum Rodeo …

Ich habe hier gerade die Bekanntschaft eines Feuer-Rangers gemacht! Da stand auf einmal ein Feuertruck neben unserem Zeltplatz, und ein Typ in langen orangefarbenen Hosen hat darauf ein Nickerchen gemacht. Er kam dann aber ruebergeschlendert und hat sich mit mir unterhalten, und ich hab ihn gleich mal interviewt zum Rangerdasein. Er hat allerlei Feuerfachmaennisches von sich gegeben, u.a. auf die verdorrte Wiese direkt neben mir gewiesen und meinte, das sei ein wahrer Zuendherd, ein Funke nur …! Er soll hier 24h Dienst tun. Anscheinend ist unten in Katherine ein grosses Feuer, aber das ist wirklich hunderte von Kilometern entfernt. Es blaest zwar ein starker Wind (weswegen ich mein Zelt schnell abgebaut habe – das mache ich z.Zt. morgens immer, schwups die Zeltstangen raus, damit sie nicht durchbrechen), aber “alles unter Kontrolle” meinte er laessig, und grinste mich unter seiner verspiegelten Sonnenbrille an. Dann erzaehlte er aus seinem Rangerleben. Er war mehrere Jahre in Kakadu fuer den Feuerschutz zustaendig, und, achje, die Deutschen, das seien die schlimmsten! Die seien fuer die ganzen Feuer zustaendig, staendig wuerden ihnen die Gasflaschen explodieren oder die Lagerfeuer ausser Kontrolle geraten. Er meinte, sie guckten sich immer ganz genau die Logbuecher an, welche Nationalitaeten gerade im Park campten, und wenn mehrere Deutsche darunter seien (ein einzelner sei noch nicht so schlimm), dann seien sie immer besonders wachsam. That makes sense! … Er erzaehlte mir also ein paar Anekdoten, und fragte schliesslich, woher ich denn sei. “Deutschland”, meinte ich, und grinste frech. Ach, es seien ja nicht alle so schlimm, meinte er troestend.

Dann wurden wir von seinem Walkie-Talkie unterbrochen. Ein Feuer bei Berry Springs! Das ist garnicht so weit von hier. Alarmiert blickte ich auf den Zuendherd neben mir und machte Anstalten, ins Auto zu springen, aber er winkte lachend ab. Da seien mehrere Leute schon im Einsatz, die das Feuer schon in Schach hielten, und ausserdem sei da die Strasse und mehrere Feuerschneisen dazwischen. No worries! Die einzige Gefahr sei, dass sein Chef sich erinnern koenne, das ser ganz in der Naehe sei und er dann auch hinfahren muesste. Und, sure enough, gleich darauf knackste sein Walkie-Talkie, und Einheit 31 wurde verlangt – das war er. “Roger” schnarrte er in sein Geraet und hopste auf seinen Feuertruck. “I’ll be back!” – Ich hoffe, er bleibt erstmal dort und bringt alles unter Kontrolle. Aber er meinte, hier sei keine Gefahr, und er muss es ja wissen.



{August 1, 2012}   Gefahren auf dem Campus

Unverhofft habe ich einen freien Nachmittag – ich habe sogar den Bus um halb zwei erwischt und musste nicht bis dreiviertel vier

Danny, examining wallaby poo

warten. Wir haben heute naemlich nochmal das uninteressante Occupational Health & Safety (OH&S) gemacht, weil Danny nicht wirklich wusste, was er zu environmental / sustainable work practises erzaehlen sollte. Es war aber ganz ertraeglich: wir sind ueber den Campus gestapft und haben nach Gefahrenzonen gesucht, die wir melden konnten. Dabei haben wire in paar Abflusssysteme begutachtet, die in der Regenzeit zum Tragen kommen, und sind ueber ein Loch im Rasen gestolpert, wo der Deckel des Bewaesserungs-Systems zerbrochen war, und sogar ein paar Kabel hervorstanden. Danny war ganz begeistert: “Wunderbar! Eine richtige Falle, da faellt bestimmt jemand rein, der ueber den Rasen laeuft, und bricht sich ein Bein!” Unsere Buschkoenigin Reina war noch begeisterter: “Elektrische Kabel – eine Todesfalle!” Wir haben also Fotos geschossen und jeder einen hazard report ausgefuellt, in dem wir die Gefahrenstelle bewertet haben (Reina hat dick “toedliche Gefahr” angestrichen), und wollen das dann auch  ganz in echt melden.

Diego and the tree swing

Nun will ich einmal von den Leuten in meinem Kurs erzaehlen. Da ist, wie schon erwaehnt, Reina, eine toughe Frau ca. Ende Dreissig, ein ganz typischer territorianischer Frauentyp. (Sie erinnert mich sehr an jemanden aus Batchelor, die mir auf einer Party mal demonstriert hat, wie man hierzulande die Maennerwelt unterhaelt – als topless barmaid!) Fuer mich ist sie die Buschkoenigin, zum einen wegen ihres Namens (Diego hat mich schon ganz mit seinem spanischen Charme infiziert; er wirft nur so mit ‘gracias’ und ‘vale’ um sich …), zum anderen, weil sie sich hier richtig gut auskennt, eine echte local eben, die schon alles gemacht hat: in einer Mine gearbeitet, beim Fencing, mit Vieh und Pferden, etc. Sie unterhaelt uns gerne mit gruseligen Schwaenken von ihrer Arbeit mit Pferden, wie Leute von Hufen zertruemmert wurden etc. Ihre Brueder scheinen auch ihre eigene Jackass-Show zu leben, und sie meinte, es sei echt territorianische Art, erst mal schallend zu lachen, und sich erst dann zu erkundigen, ob man denn ernsthaft verletzt sei … – nur, wenn sie sich selber verletzt und blutet, wird ihr schwummrig.

wallaby hunters

Diego ist der andere internationale Student des Kurses, und er ist typisch spanisch: klein und dunkelhaarig und voller Energie und Tatendrang. Er wuerzt alles mit spanischen Ausrufen und moechte alles ausprobieren und ueberall mitmachen. Er hat sich von Danny Tipps zum Kauf einer Angel geben lassen und moechte die noch vor dem Wochenende erstehen, und dann wollen wir mal zusammen losziehen, hinein in die Natur. Amanda und JB, ein Paerchen aus unserem Kurs, wollen uns dieses Wochenende mal auf einen Ausflug mitnehmen. (Passenderweise ist Montag Picknick Day, ein weiterer Feiertag.) Die beiden sind recht jung und kommen aus Perth; sind des Wetters wegen hierher gezogen. Sie ist ganz schmal und sieht etwas blutarm aus; er ist recht rund, mit maechtigen taetowierten Armen, einem Doppelkinn und einer ausladenden Wampe. Sie hat den Kurs schon letztes Semester gemacht (Certificate II), und er hat aber recht viel Erfahrung im Outdoor-Bereich und bei allen moeglichen Arbeiten mit Motorsaege, Schlagbohrer etc. Mit grauslig-blutigen Geschichten ist er noch schneller zur Hand als unsere Buschkoenigin!

bush turkey mound

Neben Amanda sitzt immer Anita, die auch schon den letzten Kurs gemacht hat. Sie ist das, was man ein grosses, starkes Maedchen nennen wuerde und hat eine gruen gefaerbte Partie im blonden Haar. Letztes Semester beim Quadbikefahren muessen ihr mehrere Missgeschicke passiert sein; jedenfalls macht Danny oefter so Anspielungen, und sie kichert dann verlegen.

Haylie ist ein nettes Maedel Mitte 20, die urspruenglich aus Victoria, nahe Melbourne, kommt, und letztes Jahr Working Holiday in Europa und Marokko gemacht hat – wir haben schon ganz begeistert Reiseerlebnisse verglichen.

Dann ist da noch ein blasser blonder Juengling – der einzige aus der demographischen Gruppe, von der ich zunaechst befuerchtet hatte, sie wuerde den Grossteil des Kurses ausmachen. Er ist sehr still und versucht sich unsichtbar zu machen, aber heute in der Pause habe ich mich mal zu ihm gesetzt und habe ihn, nachdem er mal in meine Richtung geschaut hat (was recht lange gedauert hat), gefragt, wie denn sein Name sei. “Birdy”, meinte er verschreckt. Reina und Diego haben sich dann dazugesetzt, und wir haben ihm noch ein paar Wuermer aus der Nase gezogen. Er stammt von hier und wohnt mit seiner Mutter in Palmerston. Er wurde dann etwas lebhafter, als Reina von einem legendaeren Moerder aus der Gegend erzaehlt hat, mit dem sie sich mal im Pub unterhalten hab. (Ich hab den Namen schon wieder vergessen, muss sie noch mal danach fragen, klang nach interessantem Recherchematerial – es gibt sogar einen Film ueber ihn. Er hat sich von jemandem das Ohr abhauen lassen, weil er in ein anderes Gefaengnis verlegt waeden wollte, da ihm im ersten der Boden unter den Fuessen zu heiss wurde …) Haylie hat dann noch von einem Bankraeuber erzaehlt, den sie in einem anderen Pub kennengelernt hatte und der sie gerne zum Reisen nach Kambodscha mitgenommen haette, und es wurde eine sehr unterhaltsame Pause, bis wir wieder zum droegen OH&S zurueckkehren mussten …

Ansonsten gibt es noch eine Hausfrau mittleren Alters, Cindy, die sich bisher noch durch nichts hervorgetan hat, ausser, dass sie alle OH&S-Uebungen schon waehrend des Unterrichts ausgefuellt hat und dann nichts mehr zu tun hatte, als wir uns an die Uebungen gemacht haben.

Zu guter Letzt sind noch Priscilla und Genevieve zu nennen, die dem Namen nach Schwestern sind. Genevieve ist aber ganz hellhaeutig mit krausen blonden Haaren (anscheinend haeufiger bei Aborigines, muss mal noch forschen, wieso), und Priscilla ist recht dunkel und viel lebhafter. Hat auch schon Kinder.

Danny, der Dozent, ist sehr duenn und braungebrannt. Er kommt aus Suedafrika, hat aber einen ganz eigenen Akzent, den ich niemals als suedafrikanisch bewertet haette; er rrrollt seine R’s ziemlich, es klingt im Grunde eher spanisch oder so. Er versucht alles, uns diesen droegen Teil des Kurses unterhaltsam zu gestalten, berichtet beispielsweise von seinen Eskapaden aus der Unizeit etc. Er benutzt mit Vorliebe Diego und mich als Einleitung zu neuen Themen, beispielsweise: “Hanna und Diego, seid ihr schon mal Traktor gefahren?” oder “Wisst ihr, welche Gefahren wir beim Arbeiten im Bush auf uns nehmen?” – Letzteres zog eine sehr lebhafte Unterhaltung nach sich, bei der alle wild alle moeglichen Risiken wild durcheinandergerufen haben: Buschfeuer – Krokos – Melioidosis …, und Reina und JB sich berufen sahen, ausgiebig aus dem Naehkaestchen zu plaudern. Die Gefahren ihres Landes – sicherlich eines der Lieblingsthemen der Australier!

Dies also die Leute, mit denen ich im naechsten halben Jahr ueber Conservation und Land Management hier lernen werde. Morgen machen wir unsere erste Exkursion, nach ShoalBay. Ich glaube, dass sich dort eine Muelldeponie befindet; zumindest hat uns Danny ein Skript mitgegeben, in dem es um Abfallbeseitigung geht. Ich bin gespannt, und packe meine Kamera ein.

NB: Birdys Name ist eigentlich Brody, wie sich herausgestellt hat (haha), Anitas Straehne ist blau, und nicht gruen, und Cindy stellt sich als ziemlich unangenehm heraus.



et cetera